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Corel Draw

13.4.2010 Diese Seite drucken  Diese Seite per E-Mail empfehlen

Corel X5 im Club der Profis

Mit neuem Farbmanagement, Workflow-Tools und Schnelligkeit überzeugt die Graphics Suite nach langer Zeit

Es hat schon Tradition: Wie bei Beethovens Symphonien sind die Ungraden die besten. Und wie bei Microsoft’s Windows 7 scheint auch Corel den Ruf der User vernommen zu haben: Gebt uns endlich, was wir schon seit Jahren fordern.

Wer nun schon länger auf ein Update seiner Graphic Suite verzichtet und derweil einige Euro fleißig zur Seite gelegt hat, könnte nun allmählich das Sparschwein schlachten. Selbst der kleine Sprung von X4 zu X5 ist ein gelungener mit teilweise weitreichenden Änderungen.

Die eierlegende Wollmich-Sau

Seit Jahren ist CorelDraw bei Unternehmen, der Industrie aber auch im Amateurbereich dank seiner moderaten Preispolitik ein beliebtes Werkzeug für Grafiken, Flyer und andere Werbemittel. Etablierte Grafiker pflegten zwar mit Adobe Programmen auf dem Mac zu arbeiten, doch in den letzten zehn Jahren sind viele neue Agenturen gegründet worden, die von vornherein auf Windows setzten und somit schon allein des Schriftenpaketes wegen, Corels Grafikprogramme auf die Festplatte hievten. Und vielen wurde schnell klar, was man alles mit CorelDraw anstellen kann. Der Begriff des Schweizer Messers machte die Runde: Dieses Programm darf in keiner Agentur fehlen, frist es doch so ziemlich alle Dateiformate und spuckt sie in nahezu allen Formaten nach individueller Bearbeitung wieder aus, allen voran EPS und PDF. 

Allein: Wenn da nicht so einige Dinge wären, die Adobe-Programme im Profilager besaßen und Corel irgendwie nicht. Allen voran, das Farbmanagement.

ICC-Jongleur überholt Adobes Farbmanagement

Hier ist Corel richtig tief in den Programmcode gekrochen und hat große Bereiche komplett neu geschrieben. Zwei Schritte scheinen auf der Agenda gestanden zu haben: Kopiert den Agenturstandard möglichst 1:1 und legt dann noch eine Schüppe oben drauf.

Herausgekommen ist ein Einstellungsfenster für das Farbmanagement, das wie eine Kopie des Konkurrenten aussieht. Das ist gut so, denn nun kann jeder Adobe-Nutzer in wenigen Klicks das gleiche Farbmanagements in die Corel-Welt übertragen.

 

 

Neben den globalen Standarteinstellungen kann man auch ein spezielles Farbmanagement für das jeweilige Dokument zuweisen.

Es sei noch angemerkt, dass das neue Farbmanagement zum Teil große Auswirkungen auf das Bearbeiten älterer Dateien hat, da diese keine Farbprofile beinhalteten. Es ist daher dringend anzuraten, in der X5-Farbverwaltung (Draw und Photopaint) alle Warnungen anzuklicken, damit man beim Öffnen älterer Dateien entsprechende Farbprofile zuweisen kann oder zumindest darüber informiert wird, was woduch ersetzt werden soll.

 

Was nun die Schüppe mehr angeht: Das neue Andockfenster namens „Farbprüfeinstellungen“. Hier kann man in Echtzeit zwischen verschiedensten Farbumgebungen hin und her springen und sieht sogleich die Auswirkungen im gesamten Layout. Alles läst sich auch als Voreinstellung abspeichern und wenn das Andockfenster mal nicht geöffnet ist, nutzt man in der Statusleiste eine kleines Symbol zum hin- und herschalten.

 

 

Dies alles geht konsistent in Photo-Paint und Draw und verschafft dem Profi eine ungeahnte Sicherheit – und überfordert oder verunsichert höchstwahrscheinlich jeden Amateur.

Sei es drum, das ergebnis rechtfertig alle Mühe, denn die Qualität der Farbseparationen ist nun deutlich verbessert worden. Der bei einigen Belichtungsprofis stets erkennbare graue Schleier über den Farben ist nun verschwunden und kräftige Tiefen und klare Farben sind deutlich auszumachen.

Neue Tools und hohe Geschwindigkeit

Zwischen den einzelnen Versionen werden auch immer wieder neue Werkzeuge hinzugefügt. Die Anzahl ist jeweils übersichtlich – für Leser, die aber diverse Versionen ausfallen ließen, eröffnet sich ein wahres Feuerwerk. Für (Fluss-) Diagramme gibt es verschiedene Linientypen, die an Ankerpunkten anderer Objekte befestigt werden und bei Veränderungen dynamisch mitwandern, mit B-Spline können sehr intuitiv weiche Vektorkurven gezeichnet werden.

Hilfreich ist auch die neue Dokumentenpalette, in der alle neuen oder bereits bestehenden Farben eines Dokumentes oder Bitmaps enthalten sind, bzw. aufgenommen werden. Da dies auch in Photo-Paint existiert, hat man ein sehr mächtiges und vielseitiges Toll bei der Hand, mit dem einheitliche Farben sogar zwischen den Anwendungen schnell realisiert werden können.

Auch gibt es vielerorts Überarbeitungen, so in den Exportfenstern, die nun in gigantischer Größe mit vielen Einstellungen die Auswirkungen beispielsweise bei der JPG-Komprimierung darstellen.

 

Durch die bessere Unterstützung von Multiprozessoren ist in einigen Bereichen ein drastische Geschwindigkeitszunahme zu bemerken: So können nun Bitmap-Effekte, wie beispielsweise Gaußsche Unschärfe, in CorelDraw nahezu in Echtzeit durchgeführt werden. Dies war bis X4 ein quälnder Prozess.

 

Aber das Tollste von allem: CorelDraw beherrscht endlich runde Ecken bei Rechtecken. Nutzer anderer Grafikprogramme werden sich fragen, was daran problematisch ist, Corel-Usern werden dagegen die Tränen kommen. Die Stoßgebete wurden erhört, nach 15 Jahren des Bitten und Bettelns haben sich die Programmierer mal für einen Nachmittag hingesetzt und uns eine Wunschlosglücklich-Funktion geschmiedet: Jede Ecke des Rechecks kann einen individuellen Eckradius aufweisen (wie schon immer), der nun aber – und das ist neu - beim Strecken und Stauchen erhalten bleibt.

Neben einem nach außen abgerundeten Radius, kann man zudem auch noch unter einem nach innen gerundeten Radius („ausgekehlt“) oder einer Schräge („abgefast“) wählen. Und dies alles kann entweder mit fixierten Werten oder mit der jeweiligen Objektgröße skalierten Werten versehen werden. Das bisherige Verhalten der Eckrundungen bis X4 ist ersatzlos gestrichen, friede seiner Asche.

Webdesign

Völlig unterschätzt wird die Corel Graphic Suite bei der Unterstützung der Webdesigner. Dennoch hat Corel unermüdlich von Version zu Version immer weitere Funktionen zu Verfügung gestellt, insbesondere sei hier die seit Jahren unglaublich nützliche „Teilbilder“-Funktion in Photo-Paint zu nennen. In CorelDraw X5 ist nun neben den verschiedenen für den Printbereich unerlässlichen Ansichten (wie beispielsweise Überdruckungsansicht oder die bereits erwähnten Farbprüfeinstellungen) eine Pixel-Ansicht gekommen. Hier sieht der Webdesigner, wie seine üblicherweise stets glatten Vektoren (Grafiken, Schriften, Fotos) im Internet als Pixel erscheinen werden. Es gelten dabei die Einstellungen in den Optionen der Seitengröße. Da man hierbei aber auch beliebige Werte wie 300DPI oder gar 2400DPI oder mehr eingeben kann, lassen sich neben dem Webdesign auch Printentwüfe auf Belichterebene oder auch schlicht ein Fax beurteilen. Beim Hineinzoomen in das Layout wird ab einer bestimmten Größe ein Gitternetz eingeblendet, dass jedes Pixel einzeln zeigt, genauso wie bei Bildbearbeitungsprogrammen.

Neu ist auch die Möglichkeit, mit der Farbpipette sowohl in Draw als auch Photo-Paint Farben nicht nur aus dem Dokument, sondern auch vom Desktop, respektive anderen Programmen oder Dokumentenfenstern zu übernehmen. Dies ist im Webdesign sehr hilfreich, um Farben aus dem Browser zu übernehmen. Alle Farben werden übrigens neben RGB, cmyk, LAB usw. nun auch in Hexadezimalwerten angegeben.

Wer braucht Photoshop?

Apropos Photo-Paint. Das meist ignorierte Kind auf Millionen von Festplatten. So häufig CorelDraw auch verwendet wird, viele arbeiten parallel dazu mit Photoshop. Doch wie schlecht kann ein Programm sein, dass Photoshop CS4 Dateien mit allen Ebenen nativ öffnen, bearbeiten und wieder als solche speichern kann?

In dem nun noch aufgeräumteren Andockfenster für Objekte (gleich Ebenen bei Photoshop) lassen sich nun Gruppen und verschachtelte Untergruppen definieren, auch eine Sperrung von Objekten gegen unerwünschtes verschieben ist nun integriert, sowie ein neuer Schieberegler, der die freie Symbolvergrößerung in dem Andockfenster ermöglicht.

Sowohl Draw als auch Photo-Paint sind schneller geworden, da nun konsequenter Multiprozessoren genutzt werden.

Als neue Funktionen in Photo-Paint sind, neben allen bereits erwähnten, ein aufwändiges Graustufenkonvertierungsfenster hinzugekommen sowie ein weiteres Dynamik- und Sättigungdialogfeld.

Workflow

In der Taskleiste von Win7 werden nun auch die einzelnen geöffneten Dokumente dargestellt, Standard für aktuelle Programme. Wer professionell arbeitet, jongliert mit verschiedenen Grafiken und unzähligen Bildern und Texten. Selbstverständlich ist X5 Windows 7 kompatibel, was bedeutet, dass die Fenster für Datei öffnen, importiern sowie exportieren nun das Windows 7 Vorschaufenster aufweisen, das schön groß auch PDF-Inhalte anzeigt.

 

Unterstützung findet der Anwender nun zudem auch in den neuen Andockfenstern Connect und Ablage.

 

 

Via Connect kann man über Ordnerstrukturen und frei definierbaren Favoritenordnern schnell nach Inhalten suchen und sie zur späteren Verwendung in ein separates Ablage-Andockfenster einfügen. So hat man stets Logos, Fotos oder Grafiken für einen Job bei der Hand und zieht sie in das Layout.

Favoriten oder andere Sortiermöglichkeiten sind aber leider nicht vorhanden.

Alles in allem

Corel GS X5 ist schnell, stabil und macht Spaß, in fast jeder Hinsicht. Fast, denn das neue Farbmanagement sorgt erstmal für Sorge, denn nun sehen Prospekte und Entwürfe, die unter X4 oder davor entstanden sind, irgendwie anders aus. Hier muss man nun sträflich vernachlässigte Hausaufgaben in Sachen „perzeptiv, absolut und relativ farbmetrisch oder sättigungsorientiert“ machen. Während des schnelle Umschalten zwischen den verschiedenen Methoden wünscht man sich hin und wieder in das Tal der Ahnungslosen zurück, als Corel noch im Verborgenen irgendwie die Farben für einen umwanndelte.

Aber so ist das nun mal: Willkommen X5 im Club der Profis.

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