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Corel Ventura

Cross-Media-Publishing

Grenzen und Möglichkeiten des HTML-Exports vom Ventura

Der Traum vieler Agenturen und Druckereien: Ein Datenstamm einer Datenbank wird sowohl für den Printbereich als auch für den Internetbereich genutzt. Wieweit sich der Ventura in dieses High-Tech-Gebiet vorwagen kann, soll hier einmal vorgestellt werden.

Hinter dem großen Begriff "Cross-Media-Publishing" (CMP) verbirgt sich in der Realität oft eine sehr einfache Lösung: Kopiert man einen Text aus der Textverarbeitung und setzt ihn in ein HTML-Editor ein, könnte man schon von Cross-Media sprechen. Diese Art von Cross-Media hätte jedoch mit sehr viel individueller Handarbeit zu tun. Wirkliches CMP sollte nach grundlegenden Voreinstellungen weitestgehend automatisch ablaufen und nur die Stammdaten für den jeweiligen Zweck möglichst ansprechend aufbereiten.
Mit dem Ventura können Sie per Datenbankanbindung direkt Texte und Bilder in automatische Layouts einfließen lassen. Das Resultat ist eine z.B. für den Printbereich vorbereitete Publikation: Ein Warenkatalog oder ein Telefonbuch, das dann auch als HTML-Datei veröffentlicht werden kann.

An dieser Stelle soll jedoch über einen weiteren immer häufiger auftretenden Fall eingegangen werden: Ein Handbuch, ein Jahresbericht oder eine Fachpublikation sollen sowohl für den Printbereich, als auch für das Internet in HTML erstellt werden. Zudem soll noch eine möglichst komfortable PDF-Datei (z.B. für eine CD-ROM) angefertigt werden.

Für das Publizieren in HTML gilt aber, dass man die Möglichkeiten und Grenzen des HTML-Exports sehr genau kennen sollte, um das jeweilige Print-Layout, so traurig es ist, darauf abzustimmen.

Regel 1: Arbeiten Sie nur im Seitenrahmen

Mit freien, gar mehrspaltigen Rahmen, kann HTML nichts anfangen, denn HTML-Dateien laufen immer einspaltig von oben nach unten. Da der Ventura zudem auch nicht weiß, in welcher Reihenfolge die für ihn unzusammenhängenden Text-Rahmen in HTML-Text umgewandelt werden sollen, sollte man von vornherein nur im Seitenrahmen (Basisrahmen) arbeiten.
Eine Textdatei, die somit über z.B. drei Seiten geht, wird dann problemlos in eine HTML-Datei umgewandelt.
Ein mehrspaltiges Layout führt nicht zu Fehlern, wird jedoch ignoriert, also in einer Spalte im Browser angezeigt.

Regel 2: Arbeiten Sie mit Kapiteln

Da, wie oben gesagt, pro Textdatei im Seitenrahmen eine HTML-Datei angelegt wird, müssen für mehrere HTML-Dateien mehrere Kapitel mit jeweils einer Textdatei erstellt werden.
Dies verändert optisch das Printlayout kaum (außer der Tatsache, dass Kapitel immer auf einer neuen Seite anfangen), jedoch ist es etwas mehr Arbeit.

Regel 3: Verankern Sie Rahmen mit Bildern

Durch die Verankerung bleiben die Bilder auch im HTML-Code in der Nähe des dazugehörigen Textes.

Regel 4: Blenden Sie Kopf- und Fußzeilen vor dem Export aus

Diese werden nämlich vom Ventura nicht einmalig am Ende der HTML-Datei gesetzt, sondern genau an die Stellen mitten im HTML-Text.


Schritt 1: Arbeiten Sie mit unterschiedlichen Layouts

Für ein realisiertes Corporate Design sollte es selbstverständlich sein, dass das Web Ähnlichkeiten mit der gedruckten Publikation aufweist. Schriftarten, -farben und -größen können daher schon im Layout „webmäßig“ gewählt werden, sie werden später übernommen.

In welcher Weise Sie weiter arbeiten, ist selbstverständlich Ihnen überlassen:

  • Sie können erst das schlichte HTML-Layout erstellen und fügen dann für den Druck Seitenzahlen und gestalterische Elemente hinzu. Dieser Weg hat den Vorteil, dass Sie meist Web-konform arbeiten.
    Oder:
  • sie entwickeln erst ein ansprechendes Print-Layout und löschen dann für das Web alle unzweckmäßigen Elemente. Dieser Weg macht mehr Sinn, wenn Sie einem Kunden die gedruckten Layouts präsentieren müssen und erst nach der Freigabe das HTML-Dokument erstellen können.
    Achten Sie jedoch darauf, dass Sie schon bei der Entwicklung des Layouts die obigen Regeln beachten!

Eine Datei - drei Layouts

Da es meist doch immer zu Korrekturen kommt, würde es den gesamten Workflow erschweren, wenn Sie jede Änderung in zwei Datein (Print- und Web-Datei) durchführen müssten. Arbeiten Sie stattdessen mit einer Datei, die Sie einfach „umschalten“.

Der Ventura bietet dafür die sehr eleganten Bibliotheken an!

  1. Legen Sie als erstes eine neue Bibliothek an: [Extras] - [Ventura Library] - [Neu...] und geben Sie einen Namen dafür ein.
  2. Angenommen Sie haben ein einfaches „HTML-Kompatibles“ Layout erstellt, dann ziehen Sie die Stile aus dem Navigator in das Bibliotheksfenster:



    Benennen Sie in der Bibliothek Ihre Stil-Vorlage nach eigenen Wünschen um (über Rechte Maustaste - Eigenschaften)
  3. Layouten Sie nun das Print-Layout. Sie können ganz neue Schriftstile, Seitenstile usw. definieren. Auch können Elemente auf den Seitenstilen (Musterseiten) eingefügt und Kopf- und Fußzeilen angelegt werden. Die verankerten (!) Grafik-Rahmen dürfen für ein zukünftiges problemloses Hin- und Herschalten des Layouts jedoch nicht bewegt werden.
  4. Speichern Sie auch diese Stile in der Bibliothek.
  5. Ziehen Sie anschließend das "HTML-Layout" aus der Bibliothek auf eine beliebige Seite im Layout schalten Sie dadurch wieder um.

Genau so können Sie auch noch ein drittes Layout für eine PDF-Datei erstellen, die für das Lesen am Bildschirm im Querformat und 3:4 Verhältnis optimiert ist.


Schritt 2: Die HTML-Veröffentlichung

Um es vorweg zu sagen: Der Ventura ist kein Ersatz für etablierte HTML-Editoren. Sein Arbeitsfeld ist der Print-Bereich. Jedoch kann er problemlos größere Publikationen in ein vollständiges Web umwandeln, und mit etwas HTML-Know-How auch sehr ansprechend.

Die Vorgehensweise vom Ventura während der HTML-Veröffentlichung ist verhältnismäßig einfach:

  • Jede einzelne Textdatei wird in separate HTML-Dateien umgewandelt. Dabei bleiben Textauszeichnungen (Fett, kursiv, Farbe usw.), wenn gewünscht, erhalten. Auch bleiben Tabellen, Hyperlinks und Querverweise vollständig erhalten.
  • Jede Bild-Datei wird in das GIF- oder JPG-Format umgewandelt und in ein "images"-Verzeichnis abgelegt
  • Alle Stil-Vorlagen werden als Format-Unterklassen des P-Tags in einer CSS-Datei definiert (nur bei CSS-Veröffentlichung)
  • Auf Wunsch legt Ventura eine Frame-Datei an, in unterschiedliche Navigationslisten zu Verfügung stehen.

Die Standardeinstellung

Ohne irgendwelche HTML-Kenntnisse braucht man nur auf Datei - Veröffentlichen als...HTML zu klicken. Dann wählt man den Bereich (z.B.: aktuelles Kapitel oder Publikation) und klickt auf [Veröffentlichen].

Das größte Problem werden nun die Schriften sein. Zum einen die Schriftgrößen, die oftmals zu riesig für das Internet sind, zum anderen die Schriftarten. Denn bedenken Sie: Die Schriften, die Sie zum layouten auf Ihrem Computer haben, sind nur in den wenigsten Fällen auch bei anderen Menschen, die die Internetseiten betrachten, vorhanden. Es müssen also alle Stile internetkompatibel gemacht werden.

Die Feinarbeit

Die Möglichkeiten, die der Ventura zur Formatierung in HTML zu Verfügung stellt, wirken auf HTML-Einsteiger relativ umfangreich, für Experten sind sie jedoch rudimentär.

 

 

Grundsätzlich muss man sich zwischen zwei Formatierungswegen entscheiden:

  1. Man formatiert jeden gewünschten Absatzstil von Hand um (Bild oben).
    Vorteile:
    - Sie haben Zugriff auf alle Stile (siehe dazu Punkt 2: Nachteile)
    - Sie können sehr genau bestimmen, wie der HTML-Code eines Absatzstils aussehen soll.
    - Unterschiedliche Absatzstile können in gleiche HTML-Tags gewandelt werden
    Nachteile:
    - CSS wird nicht unterstützt
    - automatisch generierte Navigationslisten können nicht gestaltet werden
    - Nur eine Schriftvariante ist definierbar (keine Alternativfonts möglich)
  2. Man arbeitet mit CSS (überlappende Layoutvorlage)
    Vorteile:
    - Viele Vorteile von CSS (z.B. einfacheres Formatieren, mehr Gestaltungsmöglichkeiten)
    - Ventura erstellt die CSS-Datei oder übernimmt eine bereits bestehende
    Nachteile:
    - Nicht alle automatisch generierten Stile (z_Stile) werden richtig definiert
    - Für jeden Absatzstil wird (muss) eine CSS-Definition vorgenommen (werden)
    - Absatzstile lassen sich nicht zusammenfassen
    - automatisch generierte Navigationslisten werden nicht per CSS definiert
    - Nur wenige CSS-Möglichkeiten werden unterstützt (z.B. keine Linkfarben)
    - Nachträgliches Bearbeiten der CSS-Datei ist meist erforderlich, da immer das Layout der Printvorlage übernommen wird und nicht wie in Punkt 1 einzelne Abweichungen definiert werden können.

Für beide Punkte gilt jedoch, dass die Programmierer trotz allem einige Fehler gemacht haben (keine Bugs!). So kann man beispielsweise wählen, ob das Inhaltsverzeichnis als Punkt-Liste oder nummerierte Liste dargestellt werden soll, aber nicht als normaler Text. Dies ließe sich noch verschmerzen, jedoch werden Listen ja nicht mit in die CSS aufgenommen und so bleibt einem nichts anders übrig, als den HTML-Code selbst zu durchforsten, um die Navigationsframes akzeptabler zu gestalten.


Schritt 3: Die PDF-Veröffentlichung

Zur PDF-Veröffentlichung benötigen Sie bis Ventura Version 8 Adobe Distiller bzw. Acrobat.
Diese Programme importieren die PS-Druckdatei und wandeln sie in eine platzsparende PDF-Datei um.

Ab Version 10 des Venturas ist der PDF-Export auch direkt möglich. Durch vorheriges Umschalten des Layouts (s.o.) können Sie so in Sekunden eine bildschirmoptimierte PDF-Datei erstellen.

PDF-Veröffentlichungen sind sehr viel einfacher, als HTML, da das komplette Print-Layout ohne Einschränkung übernommen wird.

Wenn Querverweise, Inhaltsverzeichnisse und Indexe erstellt wurden schreibt Ventura zudem automatisch diese als Verknüpfungen in die Datei, so dass man komfortabel in der PDF-Datei auf diese Begriffe innerhalb des Layouts klicken kann.

Auch die Bookmark-Leiste wird erstellt, jedoch weisst diese bei Version 8 einen erstaunlichen Bug auf: Einige Überschriftsebenen sind mit unter genau an den Stellen der deutschen Trennung mit einem unschönen Leerzeichen versehen.

Um dies zu beheben müssen Sie die Postscript-Datei editieren. Dies ist einfacher als man glaubt:

  1. Öffnen Sie mit Word oder WordPad die Postscript-Datei
  2. Suchen Sie mit der Suchenfunktion nach folgenden Zeichen:
    /Title (
  3. In der Klammer dahinter sehen Sie die getrennten Begriffe, die Sie nun einfach korrigieren können. Tun Sie dies für alle nachfolgenden Zeilen, die genauso aussehen:
  4. Speichern Sie die Datei wieder ab und wandeln Sie sie nun in eine PDF um.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ohne HTML-Kenntnisse nur sehr einfache HTML-Layouts möglich sind und auch sicherlich sehr viele Gestaltungsfehler in dem automatisch generierten Web zu finden sind.
Mit entsprechenden Kenntnissen und Werkzeugen (z.B. Webweites suchen und Ersetzen) kann der Ventura einem jedoch sehr viel Arbeit abnehmen.


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