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Corel Draw

31.1.2006 Diese Seite drucken  Diese Seite per E-Mail empfehlen

Dem Aberglauben trotzen: CorelDraw X3

Abgespeckt und zugelegt: Detailverbesserungen mehr für die Profis

In der neuen Corel Suite X3 stecken einige lang vermisste Funktionen, die viele Profis aufhorchen lassen. Freizeituser finden dagegen wenig neues. Ob Corel mit X3 der Adobe-Übermacht Paroli bieten kann?

Corel's neuer
Abschrägungseffekt verlangsamt den Bildschirmaufbau enorm. Wie RIPs damit klar kommen, wird sich zeigen.
Nach der 12 kommt für Corel die X3. Das sieht schick aus und ist nicht so weit von Adobes CS-Nummerierung entfernt. Nachdem der übermächtige Grafikkonkurrent das Unternehmen Macromedia übernommen hat und über die Entwicklung von Illustrator und Freehand noch spekuliert wird, darf Corel nicht den Anschluss verlieren. Zwar herrscht im so genannten Consumerbereich für Pixel und Vektoren noch ein umfangreiches Herstellertreiben, im Profisektor könnte es jedoch bald zu einem Monopol kommen. Adobes Photoshop ist quasi Industrie-Standard, doch Corels Photopaint wird immerhin noch wohlwollend als Alternative genannt. Adobes InDesign zieht immer weitere Kreise und vereinnahmt mehr und mehr grafische Arbeitsfelder, die der rudimentären Typografie von CorelDraw gegenüberstehen. Mit der Graphics Suite X3 versucht Corel nun den Freizeitanwender nicht abzuschrecken und die Profis zu halten oder gar neue zu gewinnen.

(Anmerkung: Für diesen ersten Test stand lorem.info eine englische Version zu Verfügung)

Einfach bleiben

Um den riesigen Markt der Grafikeinsteiger für das wohl umfangreichste Grafikprogramm zu begeistern wurde ein neues Andockfenster entwickelt: Als eine Art Echtzeithilfe zeigt es Bedienung und Möglichkeiten der gerade gewählten Funktion an. Blättern im Handbuch oder suchen in der Onlinehilfe können weitestgehend entfallen, ein kurzer Blick an den rechten Bildschirmrand lassen die ersten Gehversuche nun sehr viel entspannter voranschreiten. Aber auch Softwareumsteiger werden dieses Fenster in den ersten Tagen nicht missen wollen.

 

Die neuen Andockfenster für die Textbearbeitung.

 

Versierte Corelianer finden weitestgehend ihre gewohnte Umgebung wieder, könnten aber die Neugestaltung der Textwerkzeuge kurze Zeit ins Stolpern geraten (Bild oben): Das lang gediente und aufgeblähte Dialogfenster für typografische Einstellungen ist nun in seine Bestandteile zerlegt und in appetitliche Häppchen zerlegt worden: Tabulatoren, Spalten, Blickfangpunkte und diverse Einstellungen aus den Optionen sind nun direkt im Textmenü untergebracht. Den Zeichen- und Absatzeinstellungen wurden sogar jeweils eigene Andockfenster spendiert, was eine deutlich komfortablere Arbeitsweise während der Textbearbeitung ermöglicht – vorausgesetzt man hat einen größeren oder gar zwei Monitore, denn leider wurden diese für viele sehr wichtigen Werkzeuge etwas klobig gestaltet. Neu hinzugekommen sind einige wichtige typografische Zeichen: Leerzeichen und Bindestiche in jeweils drei verschiedenen Breiten, ein geschütztes Leerzeichen, um Worte bei einem Umbruch nicht zu trennen und ein „weiches“ Trennzeichen, für das nun viele Layouter dankbar sein werden. Ein manueller Spaltenwechsel rundet das Portfolio an Textcodes ab und wird der Arbeit im Mehrspaltensatz wieder neuen Schwung geben.

Neue Grafiktools

Die Handvoll neuer Grafikwerkzeuge sind nicht gerade als Quantensprung zu bezeichnen und wirken eher als schnell programmierte Update-Rechtfertigung. Da ist zum einen das Ausschneidewerkzeug, das identisch wie in der Bildbearbeitung funktioniert. Eine beliebig komplexe Zeichnung lässt sich damit zwar blitzschnell beschneiden, jedoch auch unwiederbringlich. Die alt gediente Vorgehensweise mittels Powerclip ist da deutlich harmloser und sogar flexibler.

Dazu gesellt sich ein Umrandungswerkzeug, das ein Linienobjekt um eine beliebige Auswahl von Objekten erstellt. Leider werden dabei deren Umrisslinien oder auch Schatten ignoriert. Dies tut das neue Füllwerkzeug ganz und gar nicht: Es erinnert von der Handhabung an die Farbeimer in Malprogrammen und orientiert sich an den Umrisslinien der in der Zeichnung vorhandenen Objekte. Mit einem einzigen Klick beispielsweise auf die Schnittmenge zweier Objekte oder einen i-Punkt eines Textes wird ein entsprechendes neues Objekt mit der gewählten Füllfarbe erstellt. Nicht so blitzschnell arbeitet ein neuer Abschrägungseffekt (Bild ganz oben). Die aus der Bildbearbeitung bekannte Funktion simuliert eine dreidimensionale Erhebung nun auch für grafische Objekte. Jedoch wird hierbei mit Pixeln statt mit Vektoren gearbeitet. Dies führt zwar zu sehr weichen Farbverläufen, jedoch scheinen die Flächen für jede Zoomeinstellung neu berechnet zu werden. Schon ein einziges dieser Objekte macht das Zoomen zu einer Geduldsprobe und sollte daher erst gegen Ende der Arbeit durchgeführt werden.

Leichtes Aufatmen jedoch bei dem neuen Andockfenster für runde Ecken (Bild rechts): Beliebige Objekte können nun mit runden und abgeschrägten Ecken versehen werden, wobei der Verzerrungsgrad des Objektes die korrekte Rundung nicht beinflusst. Die Funktion kann jedoch nur einmal auf ein Objekt angewendet werden, ein nachträgliches Ändern des Radius ist daher nicht möglich, höchstens direkt nach der Zuweisung mittels „Rückgängig“. 

Wichtige Details

Komplett überarbeitet wurde die Schattenfunktion von Corel Draw. Bislang arbeitete diese Funktion mit einem transparenten cmyk-Bitmap und sorgte bei Belichtungsstudios und Druckereien für teils unkalkulierbare Ergebnisse (weil irgendwo immer noch per RGB verrechnet wurde). Nun basiert der Schatten auf die Ressourcen der Tools „Interaktive Transparenz“. In der Handhabung identisch zur vorherigen Schattenfunktion wird nun jedoch im Hintergrund ein Rechteck generiert, das mit dieser transparenten Schattenform gefüllt wird. Der Schatten kann nun mit beliebigen Farben versehen werden, wobei sogar HKS oder Pantone als Farben und Farbauszüge erhalten bleiben. Zudem können nun sämtliche 19 Verrechnungskombinationen aus der Bildbearbeitung korrekt umgesetzt werden: Addieren, Subtrahieren, Farbton, Sättigung usw. stellen nun keine Problem mehr dar. Selbst wenn der Schatten vom Kontrollobjekt getrennt wird, können weiterhin Farben und Transparenzvorgänge verändert werden.

   

Links sehen Sie einen Screenshot, auf dem CorelDrawX3 (oben) und Acrobat 5 (unten) übereinander angeordnet sind, jeweils mit Farbmanagement und eingeschalteter Überdruck-Ansicht. Die Farbabweichungen zwischen den beiden Programmen sind dabei sehr gering. Schön zu sehen sind die Farbmischungen, die sich durch das Überdrucken ergeben.

Acrobat 5 zeigt die PDF-Datei fehlerhaft an, obwohl diese korrekt ist).

Zu den Objekten:

Das zu unterst liegende Rechteck besteht aus HKS 4. Darüber liegt ein „X3“ in 0/100/60/0 und einem schwarzen Schatten im Modus „multipliziert“ (die Farbe hätte auch eine Schmuckfarbe sein können). Darüber liegt der Schriftzug „HKS50“ in HKS 50 und 50% Deckung. Für dieses Objekt wurde „Füllung überdrucken“ gewählt.

 

Um eine bessere Sichtkontrolle über derartige Effekte zu geben, spendierte Corel seinem Flagschiff eine weitere Ansicht: In der Überdruckansicht werden derartige Effekte deutlich besser als in allen Vorgängerversionen angezeigt (Bild oben). Transparente Linsen, Schatten und die Auswirkungen von Überdruckungen werden nun sehr realistisch simuliert. Dies liegt sicherlich auch an dem überarbeiteten Farbmanagement. Während die bisherigen Versionen unkalkulierbare Ergebnisse aus RGB-Berechnungen für cmyk-Objekte produzierten, kann nun das Farbmanagement durchgehend auf cmyk basieren. Leider werden dadurch effektbeladene Layouts früherer Versionen nach dem Öffnen in CorelDraw X3 oftmals anders dargestellt. Gerade für Dienstleister empfiehlt sich daher die alten Programme weiterhin auf der Festplatte zu behalten.

 

    

Die dazugehörigen Farbauszüge:
schwarz, cyan,
HKS 4, Magenta
HKS 50 (50%), Gelb

Sie zeigen korrekte überdruckungen und einen schwarzen Schatten, der auch nur auf dem K-Film vorhanden ist

 

Auch überarbeitet wurde die Funktion „Text an Pfad“. Sie ist nun nicht mehr ganz so flexibel, aber dadruch besser zu bedienen. Während früher mehrere Einzeltexte entlang eines Kontrollobjektes (z.B. ein Kreis) ausgerichtet werden konnten, muß nun für jeden Text ein eigenes Kontrollobjekt herhalten. Dafür kann man nun mit einem roten Führungsknoten den Text direkt mit der Maus in alle Richtungen und Entfernungen verschieben. Das geht zwar schnell und einfach, eine exakte mittige Ausrichtung per Knopfdruck ist von nun an aber nicht mehr möglich.

Photopaint – der ewige Zweite

Zwar nimmt die Zahl der Photopaint-User zu, dennoch vermag es Corel nicht, diesem Programm neuen Schwung einzuverleiben. Auch Photopaint X3 weist kaum Neuerungen auf. Nennenswert ist sicherlich die Möglichkeit, nun endlich auch mit Schmuckfarben auf separaten Kanälen arbeiten zu können (Bild rechts) und in einem neuen Bildanpassungseditor (Bild unten) können nun sehr zügig Bilder farbkorrigiert werden, ohne verschiedene Einzelfunktionen hintereinander anzuwenden. Das monitor-füllende Fenster kann auch mit einer verschiebbaren „Vorher-nachher“-Trennlinie versehen werden und beliebig viele Zwischenschritte können im unteren Bereich des Tools abgelegt werden.

Spaß macht es jetzt auch, Objekte zu vergrößern, zu drehen oder zu verzerren. Dies geschieht nun in Echtzeit, was besonders perspektivische Verzerrungen enorm erleichtert. Einige Bugs aus der Version 12, zum Beispiel das fehlende Antialising für gedrehte Teilbilder beim Erstellen von Panoramen, wurden nicht behoben. Dafür sind neue hinzugekommen: Betätigt man während der Skallierung eines Objektes die Vorschautaste F9, sieht man im ungünstigsten Fall gar nichts. Version 12 arbeitet in dieser Hinsicht tadellos.

Insgesamt bleibt Photopaint X3 hinter den Erwartungen zurück, wobei es dennoch ein ausgezeichnetes Werkzeug für nahezu alle professionellen Alltagsaufgaben ist.

Demgegenüber ist das Intermezzo von R.A.V.E, die unglückliche Flash-Variante von Corel, vorbei. Es wurde ersatzlos gestrichen. Auch CorelTrace, dem sehr beliebten Programm zum Vektorisieren von Bitmaps, findet sich nicht mehr im Paket. Doch keine Sorge, es versteckt sich nun ganz unspektakulär im Menü „Bitmaps“ von CorelDraw. Mit dieser Integration wurde es auch gleichzeitig komplett überarbeitet und kann als wirklich gelungen bezeichnet werden. Man erreicht schnell sehr gute Ergebnisse. Besonders elegant können die Farben reduziert werden: Mit der Maus wählen Sie beliebige Farben aus und fügen diese zusammen. So wird aus einem eingescannten dreifarbigen Logo auch wieder ein dreifarbiges Vektorobjekt.

Resümee

Die CorelDraw X3 Graphics Suite hinterlässt einen gemischten Eindruck. Zum einen ermutigen die überarbeiteten Transparenzfunktionen mit Schmuckfarben beispielsweise Siebdrucker zu einem Update. Auch Agenturen und Satzbüros werden die Textfunktionen und die hervorragende Überdruck-Ansicht freudig erwarten. Und die neue Trace-Funktion ist tatsächlich ein Highlight für Profis, die häufig Logos verktorisieren müssen.

Andererseits sind Geschwindigkeitseinbußen und wieder mal neue Bugs unübersehbar. Gravierend sind auch die Veränderungen, die beim Öffnen älterer Corel-Versionen auftreten können oder hin und wieder auftretende Linien in Schattenkonstruktionen. Zu allem Unglück ist auch das Abspeichern in ein älteres Format (z.B. als Version 12) kein Garant für Sicherheit, denn einige Funktionen (z.B. Text an Linie) arbeiten nun komplett anders. Auch inkompatible EPS-Dateien wurden schon beobachtet, eigentlich etwas, was Corel seit vielen Versionen sehr gut im Griff hatte.

Warum sich Corel so wenig Mühe gegeben hat, bleibt das Geheimnis des Managements. Zeit hätten die Entwickler sicherlich gehabt, zumal mit Macromedia's Freehand ein Konkurrent weniger am Markt ist.

Viele werden wieder das unvermeidliche Servicepack 1 abwarten, doch dann ist X4 schon im Anmarsch.

Dipl. Designer Ulrich Albrecht, Agentur für Unternehmensdarstellung (02/2006)

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