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Corel Draw: Workshops

6.3.2004 Diese Seite drucken  Diese Seite per E-Mail empfehlen

Einrichten eines professionellen Grundrasters

Egal, ob Flyer, Prospekt oder Zeitung, ein Grundraster sollte immer die Basis sein. In diesem Workshop erfahren Sie viele Kniffe für ein typografisch hochwertiges Raster, die Sie auch mit anderen Programmen realisieren können.

Obwohl Corel Draw einige entscheidende DTP-Funktionen fehlt, nutzen es doch sehr viele für eben diese Aufgabe. Der schmerzliche Verzicht auf Trennsteuerung, Umbruchregeln und Unterschneidungspaaren wird durch die einfache Handhabung grafischer Elemente zumindest teilweise wieder aufgewogen. Bitmaps mit weichen Freistellkanten, Schatten, Linsen und vieles mehr machen Layoutideen möglich, die sonst nur mit Adobes InDesign zu realisieren sind.

In diesem kleinen Workshop lernen Sie, wie Sie ein professionelles mehrspaltiges Grundraster für Ihre Layouts herstellen. Und wie immer bei Lorem.info gibt es ganz nebenbei noch viele Tricks und Kniffe, die Sie auch für andere Arbeiten nutzen werden. Corel hat zwar eine seit Version 10 sogenannte „Hilfslinienvoreinstellungen“ eingebaut, diese sind jedoch entweder zu unflexibel oder fehlerhaft. Deshalb finden Sie hier keinerlei Beachtung.

Und noch eine Anmerkung: Einige Arbeitsschritte werden bewußt nicht im Detail beschrieben. Nur, in dem Sie sich eventuell mit der Hilfe-Funktion oder dem Handbuch dieses Basiswissen aneigenen, lernen Sie wirklich mit dem Programm umzugehen.

Schritt 1: Die Wahl des Fließtextes

Der Fließtext, also der hauptsächliche Lesetext, ist die Basis für jedes Layout. Nicht der Text passt sich dem Grundraster an, sondern umgekehrt. Daher suchen wir zunächst eine passende Schrift.

  • Erstellen Sie einen Mengentextrahmen, der ungefähr die Breite Ihres späteren Layouts hat
  • Kopieren Sie diesen mehrmals auf einer Seite und weisen Sie ihm unterschiedliche Schriften zu.
  • Passen Sie die Schriftgröße einander an, denn manche Schriften wirken unter Umständen größer als andere. Die Schriftgröße sollte schon der endgültigen Größe entsprechen, nur so können Sie die Lesefreundlichkeit testen.

Hier stellt sich die erste Grundsatzfrage: Serifenschrift oder serifenlose Schrift. Pauschal läßt sich dazu keine Regel festlegen. Serifenschriften dominieren jedoch deutlich für Fließtexte, denn die Einzigartigkeit eines jeden Buchstabens macht es dem Auge, bzw. dem Gehirn, leichter den Text zu lesen. Die meist gleichen Strichstärken bei serifenlosen Schriften können das Lesen erschweren. Testen Sie also unterschiedliche Schriften aus.

Achtung: Wenn das Produkt später in einer richtigen Druckerei gedruckt wird, wird die Schrift höchstwahrscheinlich schmalere Linien aufweisen, als Ihr Laserdrucker dies kann. Bei Tintenstrahldruckern ist der Unterschied noch extremer. Versuchen Sie also diesen Umstand zu berücksichtigen.

  • Entscheiden Sie sich nun für maximal drei Schriften und kopieren diese Auswahl wieder mehrmals
  • Verändern Sie nun dern Zeilenabstand jedes Mengentextrahmens (Strg+T)
  • Der Zeilenabstand ist bei Corel Draw standartmäßig auf einen Prozentwert eingestellt. Ändern Sie dies unbedingt in „Punkt“.
  • Bei Fließtexten müssen Ihre Werte bei „Vor Absatz“ und „Zeile“ identisch sein

Gegebenenfalls passen Sie nochmals die Schriftgröße an. So allmählich sollten Sie durch mehrmaliges Ändern der Zeilenabstände und Ausdrucken eine passende Schrift mit geeigneter Schriftgröße gefunden haben.

Tipp: Geben Sie auch anderen Menschen Ihre Textauswahl zum Probelesen.

  • Haben Sie Ihre finale Version erstellt, speichern Sie diese als Stilvorlage ab:
    - Klicken Sie mit der rechten Maustaste in einen Absatz
    - Wählen Sie Stile - Stileigenschaften speichern
    - Vergeben Sie einen Namen, z.B. „Fließtext“

Schritt 2: Die Seitenränder

  • Falls Sie ein doppelseitiges Layout erstellen möchten, teilen Sie dies Corel Draw mit:
    - Doppelklicken Sie auf den Papierschatten
    - Wählen Sie links "Layout"
    - Wählen Sie "Doppelseiten anzeigen"
    - Fügen Sie gegebenenfalls zwei Seiten hinzu, um eine leere komplette Doppleseite zu sehen

Die Wahl der Seitenränder ist nicht so trivial, wie viele annehmen. Es ist weit mehr, als „links und rechts 2 cm“.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Ränder zu wählen, glatte Zentimeterangaben müssen daher nicht sein. Ein Weg ist im Artikel Harmonische Teilung: Der Weg zum optimalen Grundraster beschrieben. Die dort gezeigten Linien lassen sich in Corel Draw noch leichter anlegen. Bei einem mehrspaltigen Layout auf einem A4-Blatt müssen zwangläufig die Ränder relativ schmal sein, damit die einzelnen Spalten nicht zuviele Silbentrennungen aufweisen. Ein Grund, weshalb viele Zeitschriften breiter als A4 sind.

  • Ziehen Sie nun aus den Linealen oben und links die vier Rand-Hilfslinien an die gewünschte Position
  • Bei aller Freiheit: Die Innenränder sollten schmaler als die Außenränder sein, der Obere Rand schmaler als der untere
  • Falls Sie Seitennummern benötigen, achten Sie unten auf genügend Raum. Die Seitenzahlen befinden sich außerhalb des Satzspiegels, also zwischen unterer Blattkannte und unterer Hilfslinie.
  • Oft gefragt: Corel Draw besitzt keine automatische Seitennumerierung, jede Seitenzahl muß also später von Hand an einer festen Position eingefügt werden.

Schritt 3: Die Spaltenlinien

Ähnlich, wie bei der Harmonischen Teilung gibt es auch hier eine hochwertige typografische Lösung. Aber auch sie darf von Könnern ignoriert werden. Damit Sie sie jedenfalls kennenlernen, soll Sie hier vorgestellt werden: Der optimale Spaltenabstand sollte der Breite von „mn“ des Fließtextes entsprechen. Jetzt wissen Sie auch, warum wir damit im Schritt 1 angefangen haben.

  • Zoomen Sie in Ihren fertig formatierten Fließtext hinein und schreiben die Buchstaben „mn“ hinein. Zoomen Sie nochmal stark auf diese beiden Buchstaben
  • Ziehen Sie ein Rechteck um die beiden Buchstaben. Als Maß dienen die jeweils senkrechten Linien. Die Höhe des Rechteckes ist beliebig

Mit diesem Rechteck arbeiten wir nun weiter, um unsere Spaltenhilflinien festzulegen. Spätestens jetzt sollten Sie wissen, wieviele Spalten Ihr Layout haben wird.

Profi-Tipp: Arbeiten Sie mit vielen unterschiedlichen Grafiken oder Fotos können Sie spannendere Layouts herstellen, wenn Sie mit mehr Spalten arbeiten, als später zu sehen sind. Bei einem dreispaltigen Layout könne es also durchaus sechs Spalten sein, wobei der Text dann jeweils über zwei Spalten läuft. Die Bilder können dann auch freier auf einzelne Spalten (= halbe sichtbare Spalten) verteilt werden. Auch „Sieben-Spalter" sind möglich und vieles mehr.

  • Aktivieren Sie nun „An Hilfslinien ausrichten“
  • Positionieren Sie Ihr Recheck linksaußen an der linken Hilfslinie
  • Drücken Sie die +-Taste auf dem Zahlenblock und verschieben die erstellte Kopie des Rechteckes mit gedrückter Strg-Taste rechtsaußen an der rechten Hilfslinie
  • Wählen Sie das Hilfsmittel „Interaktive Überblendung“
  • Klicken Sie in das linke Recheck hinein, halten die Maustaste gedrückt und ziehen das Hilfsmittel in das rechte Rechteck
  • Tragen Sie oben in der Leiste im Feld „Anzahl der Schritte“ die „Anzahl Ihrer Spalten minus 1“ ein, also bei einem 6-Spalter eine 5.
  • Aktivieren Sie nun „An Objekten ausrichten“
  • Ziehen Sie nun aus dem linken Lineal weitere Hilfslinien, die Sie jeweils links und rechts an den Rechtecken einrasten lassen. Die äußeren Rechtecke bleiben unberücksichtigt.
  • Löschen Sie nun alle Rechtecke wieder

Schritt 4: Das Grundlinienraster

Damit Sie die Mengentextrahmen und Bilder gut „auf Stand“ platzieren können, ist ein Grundlinienraster unabdingbar. Auch damit Texte auf der Rückseite nicht zwischen den Zeilen durchscheinen, ist so ein Grundlinienraster notwendig.

  • Klicken Sie auf eine leere Fläche, damit kein Objekt markiert ist
  • Wählen Sie nun oben in der Eigenschaftsleiste im Feld Einheiten „Punkt“ aus
  • Tragen in dem Feld „Dublikatentfernung“ für x eine 0 (Null) ein
  • Darunter bei y tragen Sie den Zeilenabstand in Punkt ein, den Sie für Ihren Fließtext gewählt haben, jedoch mit einem Minuszeichen davor, also z.B. -11,5
  • Klicken Sie nun einmal auf die obere Randhilfslinie, um sie zu markieren
  • Drücken Sie nun sooft die Tasten Strg&D, bis Sie die untere Randhilfslinie erreicht haben
  • Diese wird höchstwahrscheinlich nicht exakt mit der letzten Grundlinie in Deckung liegen, deshalb löschen Sie sie nun einfach.

Fertig

Das war es. Nun können Sie mit dem Layouten anfangen. Es empfiehlt sich, Ihr Grundraster für andere Projekte zum Beispiel als Corel Draw-Vorlage abzuspeichern.

Und noch ein Tipp: Hilfslinien können Sie, wie Objektlinien auch, mit der rechten Maustaste auf der Farbpalette eine Farbe zuweisen. Die ist für die äußeren Randlinien sicherlich hilfreich.

 

Die Nicht-Profis unter Ihnen werden nun sicher sagen: „Viel Aufwand für ein paar Linien“, die Profis werden dabei milde lächeln und anmerken: „So ist es eben, wenn man professionelle Qualität haben will“.

 

PS: Den oben gezeigten Flyer gibt's hier ...

 


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