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Corel Ventura

10.10.2002 Diese Seite drucken  Diese Seite per E-Mail empfehlen

Endlich: Ventura 10 ist da!

Viele haben schon nicht mehr daran geglaubt, doch Corel lehrte alle eines besseren: Der Ventura ist nicht vergessen und soll nun mit der Version 10 neue Marktanteile erschließen. Zur Zeit noch in Englisch, jedoch ist eine deutsche Version für Anfang 2003 anvisiert.

Die erste Frage für alle Ventura Anwender: Irgendwie ist der Zeitpunkt von Corel schlecht gewählt gewesen. Da ist das Grafikpaket um CorelDraw in der Version 11 schon auf dem Markt und nun schlüpft Ventura mit der Version 10 aus dem Ei. Und tatsächlich, „versionsmäßig“ steht der Ventura mit all seinen DLL-Dateien genau mittig zwischen 10 und 11, weshalb sich Corel entschlossen hat die Installationsverzeichnisse sowohl von CorelDraw 10 als auch 11 völlig zu ignorieren und stattdessen ein eigenes Ventura-Verzeichnis anzulegen. Darin finden sich aber nun Hunderte von Dateidubletten, leider auch vom Farbmanagement. Farbprofile, die in Draw 10 oder 11 angelegt wurden, sind somit nicht automatisch auch in Ventura vorhanden. Also Vorsicht: Bei Änderungen alles zweimal kontrollieren. Die Import-Filter des Ventura umfassen aber sowohl die Version 10 als auch 11. Trotzdem sollten keine komplexen Dateien direkt importiert werden, EPS und TIF ist weiterhin der empfohlene Weg.

Die Oberfläche

 

Hier ist alles weitgehend beim alten geblieben. Unterschiede findet man nur im Detail: So lassen sich nun Andockfenster und Menüs auf transparent schalten. Im ersten Moment wirkt dies ganz schick, jedoch verlangsamt das die tägliche Arbeit je nach Rechenpower. Etwas nützlicher ist da die Möglichkeit, die Andockfenster, also Navigatoren und Stilfenster magnetisch aneinander zu legen.
Die Arbeitsoberflächen, in denen die Menüs, Tastaturkürzel und Iconleisten gespeichert werden, können nun ex- und importiert werden und Icon-Bildchen sind nun importierbar, was das „schönmachen“ der eigenen Oberfläche erleichtern kann.
Auch ist die Menüleiste, wie in CorelDraw 10/11 abtrennbar und frei verschiebbar und besitzt nun auch viele kleine Bildchen.

Zu dem Nützlichen

Viel ist nicht dazugekommen, wer also bei dem Versionssprung von 8 nach 10 ganz was Neues erwartet, sieht sich enttäuscht. Viele Bugs wurden bereinigt, so auch der mit den Spaltenlinien. Auch können nun Rahmen und Grafiken mit dem Formwerkzeug bearbeitet werden, ohne dass ein manueller Bildschirmaufbau nötig ist, Ventura 10 aktualisiert diesen nun selber.
Das Stilfenster besitzt nun eine „Stecknadel“: Dadurch bleibt die augenblickliche Ansicht erhalten. Wählt man beispielsweise die Ansicht mit den Absatzstilen und drückt die Stecknadel, dann bleiben diese Stile weiterhin sichtbar, auch wenn man Text markiert; Ventura 8 schaltete dann immer automatisch auf die Zeichenstile um.

 


Mit Spannung wurden die neuen Tabellenstile erwartet (Bild oben). Sämtliche Einstellungen des Dialogfeldes „Tabelleneigenschaft“ sind nun als Tabellenstil speicherbar und wie alle anderen Stile auf Tabellen anwendbar. Sehr sinnvoll ist die Möglichkeit, die Zeilen oder Spaltenanzahl, die ja Teil der Tabelleneigenschaft sind, vom Stil aus- oder einzuschließen (im Bild: "Omit from tag"). Schließt man diese mit ein, würden bei einer Stilzuweisung oder -änderung gegebenenfalls Zeilen oder Spalten gelöscht werden, damit die Anzahl der im Stil vorgegebenen Zeilen und Spalten angewendet werden kann. Schließt man diese jedoch aus, dann werden nur die Spaltenbreiten, Umrandungen etc. angewendet.
Kaum ist jedoch der Tabellenstil erfunden, schreit dies nach mehr: Gerne hätte man dann auch noch die Farbgestaltung einzelner Spalten und Reihen im Stil gespeichert, dies ist jedoch nicht der Fall. Immerhin kann nun eine gesamter Hintergrund definiert und im Stil gespeichert werden.

 

Ventura kennt nun auch Photopaint: Wie in CorelDraw kann nun ein (externes!) Bitmap bearbeitet werden indem der Ventura Photopaint mit dem entsprechenden Bitmap öffnet. Ventura verbirgt sich dabei so lange in der Startleiste, bis Photopaint wieder beendet wurde, erscheint dann wieder und zeigt das bearbeitet Bild an. Ventura 8/10 Anwender und Lorem-Leser können einen höheren Luxus mit dem Script Externe Bilder öffnen und bearbeiten erreichen.

Ganz vorn in der Bewerbung DTP-Programmen ist zur Zeit der XML-Import. Im lieferumfang findet sich, vergleichbar mit dem Database-Publisher, ein weiteres Programm, dass die XML-Formate mit den Ventura-Stilen sehr komplex verbinden kann. Inwieweit XML und DTP überhaupt zusammenpassen ist im Augenblick schwer zu sagen, von überall tönt die Notwendigkeit von den Dächern, Microsoft, Adobe und Quark sind auch mit viel Getöse auf den Zug gesprungen. Nun auch Corel mit dem Ventura. Man wird sehen, welche Projekte zukünftig mit den Programmen realisiert werden.

Import mit Problemen

Für viele ist der Import von Office-Dateien, ganz vorn an Word und Excel, ein wichtiger Punkt für die tägliche Kundenbetreuung. Beides wird nun mit den neuesten Versionen unterstützt, und irgendwie doch nicht. Je nach Version und/oder Komplexität können Excel-Tabellen bis zur Unkenntlichkeit zusammengedampft werden : Alle Zellen liegen dabei in einer Zeile übereinander. Andere Dateien dagegen werden problemlos geladen.
Ähnlich problematisch ist der Word-Import: Hier werden alle deutschen Umlaute mit Ventura-Codes zusätzlich markiert, sofern "Ignore local attributs" nicht ausgewählt wird. Würden Sie bei einem solchen Text die Schrift im Absatzstil ändern wollen, blieben die Umlaute davon unberührt.

 


 

Wählen Sie stattdessen "Ignore local attributs" an, sind zwar alle Codes verschwunden, aber auch die für erwünschte Textauszeichnungen, z.B. fett oder kursiv ...
Lorem-Tipp: Deutlich besser funktioniert der RTF-Filter. Also: Vor dem Importieren den Text in Word als RTF abspeichern, dann klappts auch mit Word.

PDF und Druck

Zuerst die Gute Seite: Das komplette Druck-Modul von CorelDraw 10/11 ist im Ventura enthalten. Somit werden endlich auch Bitmaps auf Wunsch auf bestimmte DPI-Werte heruntergerechnet und nicht als riesige Dateien ins Postscript eingebettet. Gelungen ist auch der Preflight, der unzählige Faktoren, die in den Optionen gewählt werden können, überprüfen kann (siehe nachfolgendes Bild).

 



In der PS-Datei sind nun auch die Inhaltsverzeichnisse für eine etwaige PDF-Datei korrekt enthalten, V8 fügte dabei noch ärgerliche Trennstriche zwischen die Silben.
Apropos PDF: Kommen wir nun zur etwas schlechteren Seite: Der integrierte PDF-Export. Für viele wird er eine tolle Sache sein. Ohne Adobes teuren Distiller blitzschnell eine PDF erstellen, selbst für den Druck mit allen Schneidemarken gut geeignet. Profis, die jedoch mit unzähligen EPS-Dateien arbeiten, werden traurig auf ihre leeren Seiten blicken: Alle EPS-Dateien sind in der PDF-Ansicht des Acrobat verschwunden, nur ein kleiner Notizzettel liegt lieblos am Fensterrand. Öffnet man diesen, wird man informiert, dass auf diese Seite EPS-Dateien vorhanden sind, die zwar auf einem Postscript-Drucker korrekt gedruckt , jedoch nicht angezeigt werden.
Trostpflaster: Wer seine EPS-Dateien trotzdem für andere sichtbar machen möchte, kann dies in der Druckeinstellung vom Ventura expliziet anwählen. Dann wird statt der EPS-Datei daraus ein Vorschaubild berechnet und in einer beliebigen Auflösung eingesetzt. Wer jedoch glaubt, einfach 800 DPI angeben zu können und diese PDF dann trotzdem auszubelichten, irrt: Das Vorschaubild ist in RGB!
Übrigens, selbiges Problem haben die Anwender von Corel Draw 10/11.


 

Resümee

Der Ventura 10 unterstützt nur noch die Plattformen Windows 2000 und XP. Einige Anwender wird dies erst einmal abhalten. Dafür ist der Ventura jedoch noch etwas schneller geworden - ob stabiler wird sich bei größeren Projekten zeigen. Bislang jedoch muß ich sagen, dass selbst sehr komplexe Dateien problemlos, stabil und schnell bearbeitet wurden. Aber erst langfristiges arbeiten bei vielen Usern kann ihm eine neue Stabilität bescheinigen. Wer bislang keine Probleme mit Ventura 8 hatte, wird ein Update nicht dringend benötigen. Professionelle Nutzer, die eine bessere Integration in das neueste Betriebsystem schätzen und zudem Tabellenstile und einen schnellen PDF-Export wünschen, kommen um ein Update nicht herum.

Ob nun auch Anwender anderer DTP-Programme auf den neuen Ventura aufmerksam werden und komplexe Satzarbeiten zukünftig auf einer Windows-Plattform erstellen, liegt auch an dem Marketing und der Vermarktungsstrategie von Corel. Eine bessere Integration in die Graphic Suite kann so schwer nicht sein und die deutsche Übersetzung sollte dann zumindest die typografischen Anführungszeichen beherrschen. Das im DTP-Bereich überschätzte XML sollte aber keine Kaufentscheidung sein.

Gegenüber QuarkXPress und FrameMaker hat Ventura 10 in Punkto Funktionsumfang nochmals den Abstand vergrößert, Seitenverschiebungen, Grundlinienausrichtung und Unicode/OpenType jedoch bleibt er weiterhin schuldig. Trotzdem ist er mindestens ein ebenbürtiger Gegner. Adobes InDesign ist jedoch weiterhin eine andere Liga, was die Illustration inerhalb des DTPs angeht. Transparenzen und Schatten unterstützt Ventura nicht, dafür gibt es aber CorelDraw. Darin werden Illustrationen getätigt. Ventura 10 ist weiterhin ein reinrassiges DTP-Programm mit einem Faible für anspruchsvollen Satz – und hoffentlich einer noch langen Zukunft.

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